Halle (Saale)

Voller Hingabe an die Stadt seines Herzens gibt Felix Graf von Luckner einem Kapitel in seinem Buch “Aus 70 Lebensjahren” einen ganz besonderen Titel, eine Bezeichnung, die der Graf nirgendwo anders verwendete, die also wirklich einmalig war:

“Mein liebes Halle”

Diese drei Worte beschreiben deutlich die innige Beziehung des Grafen Luckner zur Saalestadt. Schon als Kind verlebte der Graf hier wunderschöne und unvergeßliche Tage bei seiner Großmutter, die ein besonderes, da fürsorgliches Auge auf den kleinen Felix geworfen hatte. Im Jahre 1919 traf Luckner hier die Entscheidung, Vorträge über seine Kaperfahrt zu halten und seine Abenteuer in Buchform zu veröffentlichen. Seinen ersten Vortrag hielt er übrigens noch im selben Jahr in der in Halle gelegenen Saalschloßbrauerei.

Viele Stätten erinnern noch heute an Graf Luckner oder können mit ihm und seinem Leben in Verbindung gebracht werden. Diese sind und werden von uns in einem “Graf-Luckner-Pfad” zusammengefaßt und touristisch erschlossen. Den “Luckner-Pfad” stellen wir Ihnen hier auf diesen Seiten vor >>>  HIER KLICKEN <<<; zudem wird es eine zweisprachige Broschüre für Touristen geben.

Als geradezu schicksalhaft sind die Umstände zu bezeichnen, die dazu führten, daß es Graf Luckner im April 1945 beschieden war, einen wesentlichen Beitrag dafür zu leisten, daß seine geliebte Stadt Halle vor schweren Zerstörungen durch alliierte Bomber und Artillerie bewahrt werden konnte – zehntausende Menschen blieben am Leben.

Eindrucksvolle Szenen der Kämpfe um Halle sehen Sie in nachfolgendem Film:

Luckners Rolle im April 1945

Felix Graf von Luckner spielte eine herausragende Rolle bei der Rettung der Stadt Halle vor völliger Zerstörung im Jahre 1945. Die Stadt, in der er zu Hause war.

button_timberwolf_smallLuckner erklärte sich bereit, als Vermittler zwischen den Deutschen in Halle und der 104. Infanteriedivision „Timberwolf“ zu fungieren. Der Graf überquerte die Frontlinie, wo er auf Al Newman traf, einen Kriegsberichterstatter der Zeitschrift von „Newsweek“. Newman und Luckner kannten sich aus den 20ern. Erstgenannter brachte Luckner in das Hauptquartier, wo Verhandlungen stattfanden. Ein kleines, von privater Hand finanziertes Denkmal, steht dort, wo sich die beiden trafen.

Die nachfolgenden Ereignisse waren schicksalshaft für die Stadt Halle und sollten nie vergessen werden:

Lt.Col. Rouge, Befehlshaber des 3. Bataillons, berichtet wie folgt: “Lassen Sie mich ein kategorisches Statement geben. Die Stadt Halle schuldet ‘Count von Luckner’ Dankbarkeit, weil dieser behilflich dabei war, sie vor der Bombardierung zu bewahren sowie der Zerstörung durch die Artillerie und dem damit verbundenen hohen Verlusten unter der Zivilbevölkerung. Lassen Sie mich das kategorisch sagen!”

Col. Leo Hoegh, der dem Stab der Timberwölfe angehörte und Gen. Allen direkt unterstellt war, wohnte den Verhandlungen bei und erinnert sich: “Luckner hat allein die wesentlichen Vorschläge zum Teilrückzug gemacht und sich für die Schonung der Zivilbevölkerung eingesetzt. Wir nahmen genauestes Kartenmaterial zu Hilfe. Die Bedeutung des Grafen in unserem Hauptquartier bewerte ich als sehr groß. Beeindruckt war ich von seiner Dynamik, der Sachkenntnis sowie der Vertrauenswürdigkeit. Während des Gespräches mit Graf Luckner wurden die präzisen Bedingungen festgelegt, unter denen die spätere Verschonung überhaupt möglich war.”

Noch ausführlicher werden die Ereignisse in einem Bericht dargestellt, den General Allen persönlich anfertigte bzw. anfertigen ließ und der dessen Unterschrift trägt: “Graf Luckner erkannte die Hoffnungslosigkeit der Situation in Halle. Er brachte mit Vehemenz das in menschlicher Hinsicht dringende Erfordernis des Schutzes der Gebiete um die Lazarette zum Ausdruck und setzte sich für die Vermeidung schwerer Verluste unter den Frauen und Kindern der Zivilbevölkerung ein. Er bot an, bei sicherem Geleit durch unsere Linien als ein Verbindungsmann zum deutschen Kommandeur zu agieren und diesem eine Nachricht zu überbringen.”

In dem Bericht werden in der “Summary of Count von Luckner’s activities” der Beitrag und das Verdienst des Grafen nochmals einer Bewertung unterzogen: “Graf Luckner handelte freiwillig als ein Vermittler zu dem deutschen Kommandeur in Halle, wobei er die sich daraus ergebenden persönlichen Risiken außer acht ließ. Er war in erster Linie am Schutze der Stadt und der Zivilbevölkerung interessiert wohl wissend, daß sich die taktische Lage unter amerikanischer Kontrolle befand. Seine Bemühungen waren bei der Schaffung der neutralen Zonen in Halle äußerst hilfreich, ferner bei dem Schutz der deutschen Lazarette und Hospitäler sowie der Nichtkombatanten, letztlich bei der Übermittlung der amerikanischen Bedingungen einer Übergabe. Seine Aktivitäten leisteten einen wesentlichen Beitrag für das Wohlergehen unserer verwundeten alliierten Kriegsgefangenen (in den deutschen Lazaretten in Halle). Er handelte mit umfassender Fairneß und Offenheit sowohl gegenüber den amerikanischen als auch den deutschen Kommandeuren.”

Mehr Informationen über die Geschehnisse im Jahre 1945 finden Sie in dem Buch „Our Way to Halle – der Marsch der „Timberwölfe“ nach Halle“ von Matthias J. Maurer.

Hier eine Inhaltsangabe: Am 19. April 1945 um 10.55 Uhr endeten die Kampfhandlungen um die im Zentrum Mitteldeutschlands liegende Stadt Halle (Saale), nachdem die Kampfverbände der 104. Infanteriedivision “Timberwolf” der US-Streitkräfte bereits am 15. April die nördliche Stadtgrenze erreicht hatten und von dort zur Stadtmitte vorgedrungen waren. Die Publikation zeichnet in großen Zügen den Weg der Befreiung nach, der die “Timberwölfe” 1945 durch Europa nach Mitteldeutschland und damit nach Halle führte und schildert die schrittweise Einnahme der Stadt. Erlebnisberichte aus amerikanischer Sicht ergänzen die bekannten Darstellungen von deutscher Seite und machen die kritischen Stunden nach dem durch amerikanische Flugblätter verbreiteten Ultimatum: “Übergabe oder Vernichtung!” nachvollziehbar, in denen couragierte hallesche Bürger und die Besonnenheit des amerikanischen Befehlshabers bewirkten, daß Halle trotz Ablehnung der Übergabe durch den deutschen Kampfkommandanten und verlustreicher “house-to-house-fightings” von einem Flächenbombardement verschont blieb. Mehr als 350 bisher meist unveröffentlichter Photographien aus Archiven und deutschem und amerikanischem Privatbesitz zeigen u. a. das Leben in der Stadt während der amerikanischen Besatzungszeit und dokumentieren das Ausmaß der Kriegsschäden.

ISBN:3-930195-44-5 Preis:25.50 € (englische Übersetzung des Textes ist erhältlich)
Das Buch ist aktuell leider vergriffen und daher nicht verfügbar.

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