Liebe Mitglieder, liebe Freunde,
auf unserer Webseite finden Sie in Kürze ein paar Impressionen von der
Gedenkfeier auf dem Ohlsdorfer Friedhof zum Anlaß des 40. Todestages des
Grafen. Am 22. April reiste eine Delegation unserer Gesellschaft nach
Hamburg, um Graf Luckner gebührend zu gedenken. Dank gilt dem Förderkreis
Ohlsdorfer Friedhof e.V. - dieser ist selbst Mitglied bei uns - und der
Friedhofsverwaltung für die Unterstützung der Veranstaltung. Mitglieder der
Familie des Grafen nahmen an dem Treffen teil, zu dem sich ca. 40 Personen
am Grab von Luckner zusammenfanden. Im Museum des Friedhofes erfuhren wir
einiges über die größte Stätte dieser Art weltweit. Auszüge aus der
Ansprache des Präsidenten der Luckner Gesellschaft finden Sie ganz am Ende
dieser Nachricht.
Nach der Veranstaltung auf dem Friedhof besuchte die hallesche Delegation
den Besitzer des Lucknermobils. Die Sie wissen werden, besaß Graf Luckner
einst ein Wohnmobil, welches noch existiert. Ein eindrucksvoller Besuch
sowie ein bewegendes Gefühl, in dem Wagen zu stehen, in dem Graf Luckner
einst durch Deutschland und Europa tourte.
Letztlich besuchten wir noch die Straße Jungfrauental in Hamburg, wo in der
Nummer 26 Luckner bis zu seinem Lebensende eine Wohnung gemietet hatte und
nutzte.
Insgesamt ein gelungener Ausflug im Graf Luckner Jahr 2006.
Viele Grüße aus Halle
Matthias J. Maurer 














Ansprache des Präsidenten der Felix Graf von Luckner Gesellschaft, 22.April
2006, Ohlsdorfer Friedhof (Auszüge)
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
... (Begrüßung der Gäste)
"Alles vergeht, was auf Erden groß war - und nur das bleibt bis in Ewigkeit,
nämlich das Maß der Liebe, das wir auf Erden einer dem andern geschenkt
haben; aus einer Kraft und einem Wesen, die nicht von uns stammen. Daran
erweist sich zugleich, ob wir unser Leben recht verstanden oder als ein
Allotria geführt haben. Oder ob wir begriffen haben, was damit gemeint ist:
daß Gott jedem Menschen nicht nur ein Ende, sondern auch ein Ziel gesetzt
hat."
Mit diesen Worten, meine Damen und Herren, begann Pastor Herbert Bettin am
28. April 1966 seine Ansprache an die Trauergemeinde. Gewidmet war sie Felix
Graf von Luckner, der einige Tage zuvor im Alter von fast 85 Jahren am 13.
April verstorben war. Luckner hatte ein Leben hinter sich, das ihn durch
teils wirre Zeiten geführt hatte: das Kaiserreich, die Weimarer Republik,
das Dritte Reich und die Bundesrepublik Deutschland. Stets hatte er es
vermocht, sich selbst treu zu bleiben, und dies war in mancher Zeit verdammt
nicht einfach.
Lowell Thomas, ein amerikanischer Reporter und Autor bezeichnete den Grafen
in einer im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlten Sendung im Jahre 1959
einmal als einen der ersten großen Entertainer, einen Entertainer für den
Frieden und die Verständigung zwischen den Menschen.
Luckner, Jahrgang 1881, geboren in Dresden, riß in jungen Jahren von zu
Hause aus und diente sich in der Marine nach oben. Berühmt ist sein Einsatz
im ersten Weltkrieg, nämlich die legendäre Kaperfahrt der Seeadler, doch ein
Ereignis etwas zuvor im gleichen Krieg prägte ihn maßgeblich: die
Skagerrakschlacht. Hier erlebte er hautnah das Grauen des Krieges, und
vielleicht wurde hier etwas geweckt, das schon immer ihm schlummerte, die
Humanität. Er wurde bekannt für seine humane Kriegsführung, wenngleich
fraglich ist, ob ein Krieg human geführt werden kann, doch ich denke; Graf
Luckner ist dies gelungen. Luckner führte seinen Kaperkrieg stets darauf
bedacht, das Leben seiner Gegner zu schonen; oft wird gesagt, es sei nie ein
Mensch durch ihn umgekommen, und bis auf eine Ausnahme ist dies wahr. Doch
dies war ein Unfall, kein gewollter Tod, und unser Kontakt zur Familie des
damaligen Opfers, Douglas Page, einem Schiffsjungen von 16 Jahren, gibt uns
recht. Noch heute gedenkt man dort Luckner ehrend, da er sich ritterlich
gegenüber seinen Gegnern verhalten habe.
Luckner war ein Mann der Tat; sein Wahlspruch hieß: "Lieber maken statt
snaken", und so tat er lieber die Schritte als über sie zu reden. Er war zur
Stelle, als es galt Leben zu retten, hatte einige Lebensrettungmedaillen
inne, und hierin fällt eine Episode aus dem Jahre 1943. Luckner fand einen
Ausweis im zerbombten Berlin, den Ausweis eines Bombenopfers; er nahm ihn an
sich. Kurz darauf bat ihn eine Dame um Hilfe, die sich als Jüdin offenbarte.
Luckner half ihr mittels des Ausweises und bewahrte sie vor Verfolgung. Nun
hört sich diese Geschichte - ich las sie in einem Buch des Grafen - recht
abenteuerlich und fast erfunden an. Doch liegen uns Originalbriefe dieser
Dame vor, und sie selbst tritt in der schon erwähnten Fernsehsendung in den
USA auf, um dem Grafen nochmals für ihre Rettung zu danken.
Und hierin paßt auch die Geschichte, die in die Apriltage des Jahres 1945
zurückfällt. Luckner ist sicher nicht zu den Männern des aktiven
Widerstandes zu zählen, doch er war zur Stelle, als man ihn fragte, ob er
bereit sei, zu seinen Freunden, den Amerikanern, zu gehen und um das
Schicksal der Stadt Halle zu verhandeln. Der Graf zögerte nicht und nahm die
lebensgefährliche Aufgabe an.
Ich gestatte mir, Mephisto aus dem Faust zu zitieren: "Doch der Augenblick
ergreift, der ist der rechte Mann." Ich meine, Luckner hat es stets
verstanden den rechten Augenblick zu ergreifen, zu handeln statt zu reden.
Als Mann der Tat hat er viel bewirkt.
Ein weiteres Zitat führe ich an, von Schiller aus dem Prolog zu Wallensteins
Lager: "Denn wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle
Zeiten."
Nun, ob Felix Graf von Luckner zu den Besten gehörte, dies mag ein jeder
selbst für sich entscheiden, wir aber meinen, daß mindestens, nein:
allermindestens ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren gilt, ein Andenken,
das uns heute Lebenden die Möglichkeit gibt, etwas von seinem Wirken in die
heutige Zeit zu überführen. Wenn uns dies gelingt - und hier komme ich auf
das von mir anfänglich gebrauchte Zitat zurück - dann hatte Luckners Leben
im Jahre 1966 nicht nur ein Ende, sondern ein Ziel.
(es folgt die Niederlegung des Ehrengestecks)
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